Berliner Erklärung: Bessere Rahmenbedingungen für eine agile Hochschulentwicklung und zukunftsorientierte Ingenieurausbildung

Gemeinsame Erklärung der HochschulAllianz für Angewandte Wissenschaften (HAWtech) anlässlich der HAWtech-Tagung am 3./4. Mai 2018 „Ingenieurinnen und Ingenieure für den Wirtschaftsstandort Deutschland“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Die HAWtech vertritt bundesweit sechs der im Bereich der Ingenieurwissenschaften führenden Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Sie fordert die Bundes- und Landespolitik auf, Rahmenbedingungen und Grundfinanzierung des Hochschulsystems, und hier insbesondere der Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, so zu gestalten, dass die Autonomie der Hochschulen gestärkt wird, um die Hochschulentwicklung agiler im Hinblick auf eine zunehmend digitalisierte Arbeitswelt sowie auf gesellschaftliche und regionale Herausforderungen zu befördern und um effektiv die erforderlichen Zukunftskom­pe­ten­zen – nicht zuletzt in der Ingenieurausbildung – zu vermitteln.

Die Hochschulen werden sich künftig, insbesondere in den MINT-Studiengängen, verstärkt an neue Zielgruppen wenden müssen. Dementsprechend werden sie auch auf eine wachsende Diversität der Studierenden eingehen. Gleichzeitig gilt es, ihre Studierenden noch besser und flexibler auf die sich rasant ändernden Anfor­derungen einer zunehmend internationalisierten und digitalisierten Arbeitswelt vorzubereiten. Gerade für Ingenieure geht es dabei um ein Mehr an Kompetenz zur interdisziplinären und interkulturellen Zusammenarbeit. Gefordert sind dabei neben den traditionellen Fachkompetenzen und den immer wichtiger werdenden „digital skills“ auch ausgeprägte „social skills“, wozu auch die Stärkung ethischer Verantwortung zählt.

Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften stehen für eine moderne anwendungsnahe Vermittlung akademischer Kompetenz

Hochschulen nehmen diese Veränderungen von Zielgruppen, Vorwissen und Lernverhalten, Berufs­welt sowie die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft auf und entwickeln darauf gezielt neue Studier­möglichkeiten. Studienangebote, aber auch akademische Weiterbildungsangebote, sollen dabei pass­genau für Lernende in unterschiedlichen Lernkontexten gestaltet werden, wozu die fortschreitende Digitalisierung vielfältige neue Möglichkeiten für eine stärkere Individualisierung und Flexibilisierung von Studium und Lehre eröffnet. Um dieser Verpflichtung nachkommen und die neuen Potenziale voll nutzen zu können, brauchen Hochschulen jedoch die dafür erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen und finanziellen Ressourcen.

Eine agile Hochschulentwicklung erfordert Freiräume

Eine die agilen, gesellschaftlichen Veränderungen aufgreifende Hochschulentwicklung muss durch Rechts­normen ermöglicht und nicht behindert werden. Lehre und Forschung brauchen Freiräume. Ein Ka­pa­zitätsrecht, das sich an Quantitäten und nicht an Qualitäten orientiert, ist dem genauso abträglich wie eine starre Vorgabe von Lehr- und Lernformen sowie von Lehrverpflichtung. Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften stehen zu ihrem Auftrag anwendungsorientierter Forschung und Lehre. Diese müssen aber auch zukunftsorientiert, das heißt auf neue Erkenntnisse gerichtet sein und auf künftige Anforderungen vorbereiten, die über tages­aktu­elle Vorstellungen hinausgreifen. Insofern sind Erwartungen, die auf eine passgenaue unmittelbare betriebliche Einsetzbarkeit von Hoch­schulabsolventen und an eine unmittelbare Verwertbarkeit akademischer Forschung gerichtet sind, nicht zielführend.

Das alles erfordert eine angemessene finanzielle Ausstattung. Die Hochschulen des HAWtech-Verbunds begrüßen daher alle Bestrebungen zur Verstetigung der verschiedenen Hoch­schulpakte zur gemeinsamen Finanzierung der Hochschulen durch Bund und Länder. Eine agile Hochschulentwicklung, insbesondere wenn sie sich künftig vermehrt Zukunftskompetenzen und qualitativen Zielen zuwenden soll, bedarf jedoch einer stabilen finanziellen Basis. Dementsprechend muss die Verstetigung der Programme vornehmlich auf eine Stärkung der Grundfinanzierung der Hochschulen abstellen, wobei den hohen Aufwendungen einer anwendungsorientierten akademischen Bildung – gerade im MINT-Bereich – angemessen Rechnung zu tragen ist.

 

Weitere Informationen zur HAWtech-Tagung 2018 finden Sie hier.

 

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Geschäftsstelle HAWtech

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